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Etwas Kultur muss sein

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Das Kulturhaus in Zinnowitz, 2011

Etwas

muss sein

Das Kulturhaus Zinnowitz entstand zwischen 1953 und 1957 als Kulturhaus „Deutsch-Sowjetische Freundschaft“ – ein monumentaler Bau des sozialistischen Klassizismus, errichtet im Auftrag der S(D)AG Wismut. Zinnowitz war nach dem Krieg zum „Ersten Seebad der Werktätigen“ erklärt worden; die Kumpel aus den Uranbergwerken sollten hier nicht nur baden, sondern auch unterhalten, verpflegt und kulturell erzogen werden.

Der Bau war entsprechend groß gedacht: Theatersaal und Kino mit rund 900 Plätzen, Speisesaal mit 400 Plätzen, Tanzcafé, Bibliothek mit etwa 12.000 Bänden, Großküche und zahlreiche Funktionsräume. Kurz gesagt: ein Palast für Freizeit, Kultur und Ideologie – mit Freitreppe, Portikus, Seitenflügeln und allem, was damals nach Bedeutung aussehen sollte.

Nach der Wende verlor das Haus seine Funktion. Was einst als „Geschenk des Sozialismus“ auftrat, stand zunehmend leer, wurde 2007 unter Denkmalschutz gestellt und war 2009 bereits sichtbar vom Verfall gezeichnet. Zwischen bröckelndem Putz, leeren Fenstern und stillgelegter Größe blieb vor allem die bittere Pointe: Ein Gebäude, gebaut für Gemeinschaft und Aufbruch, wurde jahrzehntelang kaum mehr gebraucht – und durfte langsam zusehen, wie ihm die eigene Monumentalität von den Wänden fiel.

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