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„Hei na Ganzlin“ – Bahnstrecke Ganzlin-Röbel

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„Hei na Ganzlin“ – Bahnstrecke Ganzlin-Röbel

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Hinweis: Werbung, unbeauftragt! Bei diesem Text handelt es sich um einen redaktionellen Beitrag, der unbeabsichtigt durchaus eine werbende Wirkung haben könnte, ohne dass ich von irgendeinem Unternehmen dafür beauftragt wurde!

„Hei na Ganzlin“ ist plattdeutsch und bedeutet soviel wie: „Er?, nach Ganzlin.“ Es war einst die Antwort eines Bahnmitarbeiters auf die Frage wohin den dieser Zug fahre.

Dies geschah in den 1890er Jahren, nach der Neueröffnung einer Stichstrecke mit Anschluss an die Strecke von Güstrow über Plau nach Meyenburg. Die staatliche Mecklenburgische Friedrich-Franz-Eisenbahn erschloss diese Strecke, um Röbel am Westufer der Müritz in das damalige Schienennetz zu integrieren.

Aufstieg und Fall

In den 1880er Jahren wurde das Gebiet um die Müritz und den Plauer See durch mehrere Bahnstrecken erschlossen. So entstanden die Mecklenburgische Südbahn als Ost-West-Verbindung, die Lloybahn und westlich die Bahnstrecke Güstrow-Meyenburg. Von dieser sollte nun auch Röbel über die Schiene erreichbar sein. Ab 1905 verkehrten auf dieser Strecke drei Personenzüge, da ein Verkehrsaufkommen aus Röbel Richtung Nordwesten erwartet wurde.

Einstige Königin der Schiene

Die einstigen Erwartungen an die Strecke sollten sich aber nicht erfüllen, in den Kriegsjahren wurde das Angebot sogar auf zwei Personenzüge heruntergefahren. Aber auch in den Folgejahren blieb die Streckenführung stets unbedeutend. Es folgte 1966 die Stilllegung der Strecke für den Personenverkehr. Somit wurde Röbel eine der ersten Kreisstädte der ehemaligen DDR, die keine schienengebundenen Personenverkehr hatte. Einzig der Güterverkehr nutze die Strecke noch bis in die Wendejahre.

Der Eisenbahnkrimi

Ab 1993 plante die Deutsche Reichsbahn die Stilllegung der Strecke. Sei dem bemühte sich der ein Jahr zuvor gegründete Eisenbahnverein „Hei na Ganzlin“ um die Übernahme der Strecke. Für regelmäßigen Sonderfahrten gründete der Verein die Röbel/Müritz Eisenbahn (RME). Im Jahr 2005 erfolgte dann aber die endgültige Stilllegung der Strecke. Ab diesem Zeitpunkt wird es eine langwierige, traurige und verworrene Geschichte.

2006 wurde die Strecke dann verkauft, Streckenteilstücke der Gleisanlagen sollten zum Schrottwert verkauft werden, das befahrbare Teilstück bis Röbel wurde zum Baugleis erklärt und irgendwann war auch ein wirtschaftlicher Weiterbetrieb nicht mehr absehbar. Auch die 2018 in Gang gesetzten Bemühungen des Landes Mecklenburg-Vorpommern um die Freistellung des Abschnittes von Bahnbetriebszwecken scheiterten.

Im Oktober desselben Jahres dann das endgültige Aus für die Strecke. Mit der, in 2019 eröffneten, Insolvenz gegen den Vereins „Hei na Ganzlin“ verschwand dann auch das Eisenbahnmuseum in Röbel endgültig.

Nicht nur für Eisenbahnfreunde

Anfang der 2000er Jahre entdeckte ich erstmals das Gelände am Bahnhof Röbel. Seinerzeit pendelte ich regelmäßig, und um die Strecke zur Autobahn abzukürzen, fuhr ich über Röbel zum Wittstocker Kreuz. Eine glückliche Fügung, fand ich doch so dieses Gelände.

Beim ersten Mal dachte ich noch es sei ein nicht begehbares Gelände der Bahn. Das klärte sich aber recht schnell auf, den kurz darauf machte ich einen Halt, um meine Neugier zu befriedigen. Und wie sich herausstellte, war diese ein „Eisenbahnfriedhof“ (Museum). 

Der Eisenbahnverein „Hei na Ganzlin“ hatte über die Jahre verschiedenste Lokomotiven und Waggons zusammengetragen und hier am Standort Röbel aufgestellt. Und diese Sammlung war nicht nur etwas für Technik- und Eisenbahnfreunde. Ganz im Gegenteil, es war auch eine sehr inspirierende Kulisse für etliche Photostrecken. Soweit meine Zeit es zuließ, war ab jetzt in Röbel immer ein Halt mit der Kamera eingeplant.

Mal eins konzentrierte ich mich ganz auf die eigentlichen Objekte ein anderes Mal lagen die Details im Fokus. Alle Stücke auf dem Gelände hatten gut und gerne ihre 50 bis 60 Jahre auf dem Buckel, dementsprechend war ihr Zustand. Was mir, bei meinem Faible für das Marode, sehr entgegenkam.

So entstand in dieser Zeit auch eine wunderschöne Serie von Rost-Texturen, mit denen ich noch heute gerne bei grafischen Arbeiten experimentiere.

Rostoberflächen in all seinen Facetten*

Ende der 2000er nutzte ich diese sehr reizvolle Kulisse auch für ein Shooting mit einem Model, was diesen Standort einmal mehr attraktiver machte. So ließen sich zwei meiner fotografischen Sujets perfekt miteinander vereinen. Ich liebe diesen gewaltigen Kontrast, wenn eine vollkommene feminine Form auf diese derbe Staffage trifft.

Schlechte Weichenstellung für den Eisenbahnverein “Hei na Ganzlin”

Und das Ende der Geschichte?

Es ist ein Trauriges! Nicht nur das ein historisch wertvolles Museum unter sehr verworrenen Umständen weichen musste, auch ein reizvoller Photoplace ging damit endgültig verloren.

Das war einmal…

Heute prangt ein glänzender Konsumtempel auf diesem Gelände, wo einst Interessierte zwischen den Waggons wanderten. Da stellt sich die Frage was das touristische Interesse an Mecklenburg mehr fördert: Frische Brötchen oder Zeitgeschichte?

Quelle: Wikipedia

*Bei Interesse an dieser Sammlung, einfach mal eine Mail schreiben. Das Pack gibt es kostenlos für den privaten Gebrauch.

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