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#7 Bulliausbau – T4 Karosserie und Motor

Lesestoff für 10 Minuten

#7 Bulliausbau – T4 Karosserie und Motor

Lesestoff für 10 Minuten

Ein großer Irrglaube ist es, sich einen Gebrauchten zu kaufen und beim Einsteigen zu hoffen das alles in Ordnung ist. Mit viel Glück könnte dies noch passieren wenn der Wagen nur Einen – sehr gründlichen – Vorbesitzer hat. Was aber wohl in den seltensten Fällen vorkommt. Bei allen anderen heißt es, selbst Hand anlegen!

Abenteuer Gebraucht

Den Umfang bestimmt neben der Zeit auch der Umgang und die Pflege des jeweiligen Vorbesitzers. Das ich mich mit einem mehr als 20 Jahre alten Bulli auf ein Gewissens Abenteuer einlasse, war mir schon bewusst. Welche Dimensionen es annehmen kann, hatte ich allerdings weniger auf dem Schirm. 

Bis dato habe ich so einige Punkte bereits erledigt aber es stehen genauso Viele, wenn nicht sogar noch mehr, immer noch auf dem Zettel und warten auf ihre “Entdeckung”. Und darum soll es in diesem Post einmal gehen. Es gibt, speziell beim Bulli, diverse Punkte die ab einem bestimmten Alter kontrolliert oder auch dringend gemacht werden sollten.

Dazu kommen dann die offensichtlichen Arbeiten wie die Rostbekämpfung und der Austausch von Verschleißteilen. Die altersbedingten Fehler können sehr vielschichtig sein und hängen auch immer mit der  Fahrleistung und Pflege des Fahrzeuges in Verbindung. Auch die Ursachen der Fehler können verschiedener Natur sein. 

Wenn ich mich auf ein derartiges Projekt einlasse, sollte ich nicht so blauäugig sein und hoffen das alles gut geht. Ich will nicht pessimistisch klingen, aber das wird es nicht! Von da her sollte man sich mit seinem Bus befassen und wenigsten im Groben die Macken und Schwachstellen kennen. 

Genau vor dieser Herausforderung stand und stehe ich derzeit. Aber in Zeiten von YouTube stellt eine Fehlersuche und Bekämpfung auch nicht mehr eine allzu große Hürde da. Mit ein wenig Willen und handwerklichen Geschick lassen sich viele Problem auf dem heimischen Hof erledigen.

Ich bin kein gelernter KfZ-Schlosser und ich muss gestehen, ich habe auch nicht viel am Hut mit der Fahrzeugschrauberei. Aber an einige Sachen mach ich mich dann doch ran, zwangsläufig, den unterm Strich ist es ja auch immer eine Kostenfrage, als wenn ich mit jeder Kleinigkeit in die Werkstatt muss.

Die ersten Arbeiten am T4 Motor

Wie ich den Bus seinerzeit abgeholt habe, zeigte sich schon das erste Problem. Für eine Turbodiesel kam zu wenig Leistung an und zudem war er recht laut. Das lautstarke Problem konnte recht bald identifiziert werden nach einem Blick unter den Bus.  Die Rohre und Ansatzstutzen der Abgasanlage waren an mehreren Stellen durchgerostet und vor dem Mittelschalldämpfer komplett ab.

Das Abgasrohr vor dem Mittelschalldämpfer, total durchgerostet…
Die alte Anlage, ihre besten Zeiten hast sie bereits hinter sich

Dies konnte ich mit ein paar Notschellen vorläufig reparieren. In der letzten Woche gab es dann die neue Rohrleitung runter. Einmal vom Kat bis zum Endschalldämpfer neu. Eigentlich keine großer Hit. Eigentlich, wer glaubt das hier auch nur eine Schraube im Guten abgeht, weit gefehlt. Solange ich sie mit neuen Teilen ersetze ist das auch nicht wirklich das Problem. Abgerissene Schrauben am Motorblock zum Beispiel sind dann doch der totale Horror.

Beim Thema Leistungsverlust wurde es dann schon etwas kniffliger. Es ging erst mal ran, rauszufinden was ich da eigentlich unter der Haube hatte und welche Teile alle zum Turbokreislauf gehörten. Und das sind einige, ergo die potenziellen Schachstellen können auch sehr umfangreich sein.

Nun, dass Turboprinzip ist hauptsächlich ein Luftumlauf, also ging es von vorne los dieses Kreislauf zu checken. Das Offensichtlichste, der Luftfilter, den ich dann mal gleich getauscht habe. Nächste Etappe, der Ansaugschlauch zum Turbo. Hier zeigte sich gleich eine Schwachstelle Seiten von VW.

Die vielbesagte Schelle auf dem Ansaugstutzen
Neu verlegte Unter- und Überdruckschläuche im Turbokreislauf
Fehler 17660 – Kurzschluss am Ventil N108

Am Turbo steckt der Schlauch lose auf dem Stutzen vom Turbo. Mit der Zeit gibt hier das Material nach und wird undicht. Also die darunter liegende Gummidichtung um eine etwas größere Ersetzen  (ø42,5 x 6mm stark) und den Stutzen mit einer einfachen Schelle sichern.

Nächster Punkt auf der Turboliste sind immer die Unter- und Überdruckschläuche, die den Turbo ansteuern. Mit der Zeit kontrollieren, sollte man sie auf jeden Fall. Ich habe sie komplett ersetzt, da meine doch etwas zerflettert aussahen. Ich vermute mal das sich auch schon mal eine Marder oder ähnlichen in diesem Motorraum es hat gut gehen lassen.

Somit sollten alle potenziellen Schwachstellen bei meiner Motorvariante erst mal wieder dicht sein. Das Leistungsproblem war aber immer noch nicht behoben. Witziger Weise tauchte das Problem immer auf wenn der Wagen warm war, also nach den ersten 5 Kilometern. Ab dann setzte der Turbo stellenweise aus und der Motor ging auf den sogenannten Notlauf.

Um allerdings die nächsten Problem zu finden habe ich mir erstmal eine kleines Diagnosegerät zugelegt. Dieses offenbarte dann auch gleich eine Fehler am Ventil N108. Ja, schon klar… leider spukt die T4 Wiki auch nicht allzu viel zu diesem Ventil aus. Aber wer suchet der findet auch…

Für den Auspuffumbau hatte ich mir den Wagen sowieso aufgebockt und die Schutzwanne abgebaut. Und was soll ich sagen, da war es, dass Ventil N108! Nun find den Fehler. Eine Empfehlung war grundsätzlich erst mal das Ventil auf Masse durchmessen um zu gewährleisten das auch Saft ankommt.

War soweit in Ordnung, allerdings bemerkte ich, dass in dem 10poligen Stecker genau ein Pin des Ventils zurückgedrückt war, sprich eigentlich keinen oder nur bedingten Kontakt haben kann. Also den Pin wieder justiert und siehe da, genau das war bei mir das Masseproblem aus der Diagnoseanzeige. Ein Punkt weniger auf der Liste.

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Das eigentliche Ventil N108 unterhalb der Einspritzanlage
Der 10polige Stecker , der auch das Ventil N108 mit Strom versorgt

Ein weiterer Punkt im Turbokreislauf, das AGR-Ventil (Abgasrückführung). Mit der Zeit verkoken die Leitungen und daher kann eine Reinigung ab und an nicht schaden. Das Ventil sitzt auf dem Motorblock, gesichert mit insgesamt sechs Schrauben. Dazu muss man kein Raketenwissenschaftler sein. Wenn man sich allerdings ran macht, sollte man eine neuen Satz Dichtungen parat haben für den Wiedereinbau.

Die kleine Reinigungsrunde ist der aufgesetzte Ventilstutzen. Man kann auch dem darunter liegenden Deckel aufnehmen und den gesamten Raum reinigen. Dies ist aber schon wieder eine etwas aufwendigere Arbeit, was man von Fall zu Fall entscheiden muss.

Fazit der bisherigen „Turboaktion“: Er läuft jetzt wieder ruhiger und der Turbo zieht auch beim Gas geben. Sicherlich besteht hier immer noch Optimierungsbedarf, kommt dann aber in einer zweiten Runde.

Der AGR Ventilaufsatz, eine Kokskraftwerk!

Elektrik und Co

Eine ganz andere Baustelle war die Elektrik. Besser gesagt es wurde zu einem elektrischen Problem. Gleich bei den ersten Fahrten leuchtete die Kontrollleuchte. Bei den alten T4 ein Zeichen dafür, dass seitens des Motors etwas nicht stimmt. Nervt schon gewaltig wenn man sich ein Auto kauft und kaum bist vom Hof gehen alle Gismors im Display an. Also, erst mal die T4 Wiki konsultiert und es stellte sich heraus, dass mehrere Fehler möglich wären.

Unter anderem auch ein Problem mit der Heckbeleuchtung. Bei einem Blick auf die hintere Verkabelung der Beifahrerseite wundertet mich allerdings garnichts mehr. In dem kleinen Raum hinter dem Hecklicht quollen förmlich die Kabel raus.

Der Kabelsalat mit der “fachgerechten” Verkabelung der Anhängerkupplung

Fuck, what´s this?  

Aber der Reihe nach, der Wagen hat wohl irgendwann mal eine Anhängerkupplung bekommen. Der Leitungsbaum war entweder viel zu lang oder falsch verlegt worden. Nachdem ich den ganzen Haufen mal aus dem Loch geholt habe, kam Licht ins Dunkel.

Aus dem Kabelbaum hat man sich die benötigten Kabel rausgepickt und mit „Strompiraten“ an die Fahrzeugleitung geklemmt. Ich hasse diese Stromabnehmer! Sie mögen ja leicht in der Montage sein aber auf lange Dauer taugen sie nichts und neigen mehr dazu, Fehler zu verursachen. Und das haben sie auch in meinem Fall.

Zwei Kabel hatten schon mal eine Wackelkontakt. Das Hauptproblem war allerdings, dass man beim Einbau alle Kabel direkt hinter dem Lampenstecker abgeklemmt hatte. Somit hing auch das gesamte Gewicht der restlichen Kabelbaumes an eben diesen 5 dünnen Leitungen. Da muss ich nun keine Leuchte in Physik sein, dass sowas auf Dauer nicht gut gehen kann. Das Gewicht und die andauernde Fahrbewegung hat den Stecker regelrecht ausgeleiert, was zur Folge hatte, das die kleinen Kontaktpins mal Kontakt und mal keinen Kontakt hatten.

Da ich es nun eh alles auseinander hatte, beschloss ich auch gleich den Kabelbaum sauber zu verlegen. Denn auch ein Blick unter das Auto offenbarte, dass man mit Schutzrohren reichlich gespart hatte. Er klemmte einfach so unter dem Fahrzeug. Da war wohl ein richtiger Fachmann bei?

Um nun besser ran zu kommen, demontierte ich auch gleich mal die Stoßstange. Hätte ich mal sein lassen sollen, denn hier kam gleich die nächste Baustelle zum Vorschein. Unterhalb der Kunststoffverkleidung ist die eigentliche  Stoßstange aus Metall und irgendwie sah das alles etwas schief aus!?

Kein so schöner Anblick!

War es auch, denn man hatte wohl mal einen kleinen Auffahrunfall bei dem die Schiene bis an den Korpus gedrückt wurde. Also das Ding auch abgebaut und mit meinem größten Hammer bearbeitet bis es wieder einigermaßen in Form war. Die Aktion war auch ganz gut so, denn die Aufnahme der Stoßstange am Fahrzeug war komplett eingedrückt und quetschte somit auch dem Kabelbaum vom Hängerzug.

Hier hätte es wohl kurzfristig den nächsten Kurzen gegeben. Das freie Heck hatte insofern auch seinen Vorteil, nun kam man zum Thema Rostprävention auch mal an die schwer zugänglichen Stellen ran. So wurde dann mal aus einer elektrischen Fehlersuche eine ganzer Tag Hinterteilsanierung!

Bei der Gelegenheit hab ich auch mal das Reserverad rausgenommen. Ich sag´s mal so, Unterwegs bei einem Platten hätte ich wohl den Bus nehmen müssen. Die beiden Schrauben der Halterung waren dermaßen angerostet, da half nur literweise WD40 und an der Knarre eine 1m langer Hebel. Der Reifen und die Felge selber sehen auch nicht gerade gut aus und müssen mal gründlich überholt werden.

Ein altes gebrauchtes Fahrzeug und seine Problemchen… A never ending story! Von daher wird es wohl noch eine Menge Stoff für eine paar Blogpost´s geben! In diesem Sinne, munter bleiben und einen Fehler nach dem anderen abarbeiten…

Hinweis: Dieser Beitrag enthält Werbelinks, gezeichnet mit einem (*).

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