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#8 Bulliausbau – Möbelbau

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#8 Bulliausbau – Möbelbau

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Nachdem nun die Isolierung im Bus verbaut ist, alle Verkleidungen an den nötigen Stellen gefilzt sind und die Bodenplatte verlegt ist, geht es an den Möbelbau. Wie ich in der vorläufigen Planung für den Grundriss angedeutet habe, wird es letztlich die Variante 2 für den Ausbau werden.

Die ersten Möbelmodule

Eine große Herausforderung stellen dabei die beiden hinteren Möbelteile da. Diese müssen mehr oder weniger den runden Formen der alten Seitenverkleidung angepasst werden und gleichzeitig die äußeren Auflagen für das Bett beinhalten. Keine ganz so leichte Aufgabe! Der vordere Küchenblock dagegen wir ein einfacher „Kasten“, der vor der Verkleidung steht, also weniger spektakulär. 

Der Möbelbau im Campervan - Seitenschrank auf der Beifahrerseite
Der Korpus, Fahrerseite, hinten

Materialien für den Möbelbau

Zuerst aber mal ein paar Worte zum verwendeten Material. Hier gibt es natürlich wieder unzählige Möglichkeiten, wie man seine Einrichtung umsetzen kann. Oft gesehen ist die Rahmenvariante, sprich der Korpus wird aus einfachen Leisten gebaut und später mit dünnem Plattenmaterial verkleidet.

Das ist eine schnell umzusetzende Möglichkeit, bei der man recht schnell ein greifbares Gefühl für die Dimensionen der Möbel bekommt. Großer Nachteil dieser Variante ist, ich muss an vielen Stellen zusätzliche Verstärkungen einbauen, um Scharnieren, Griffen oder Übergängen Halt zu geben. 

Zweite Variante ist, aus reinem Plattenmaterial zu bauen. Ab einer Stärke von 1 cm lassen sich Platten stabil mit Leim und Schrauben verbinden, ohne dass ich die Ecken zusätzlich mit Leisten verstärken muss. Großes Augenmerk bei jeder Variante ist natürlich das gesamte Gewicht der Möbel.

Der Möbelbau im Campervan - Grundmaterial, die Sperrholzplatte
Sperrholzplatten

Je nach Fahrzeug besteht hier aber ein gewisser Spielraum. Bei meinem Bulli habe ich ein Gesamtgewicht von 2,8t, das heißt eine Zuladung von ca. 1t für den Ausbau und allen anderen Sachen. Da will der Möbelbau dann doch gut geplant sein. 

Erste Wahl beim Bau von Möbeln ist Sperrholz, speziell Pappelsperrholz. Sperrholz in sich ist ein stabiler Werkstoff durch seine über Kreuz verleimten Schichten. Je mehr Sichten verwendet werden und so stabiler wird auch die Platte. Zweiter großer Vorteil, ich bekomme die Platten in einem rohen Zustand oder mit allen erdenklichen Dekoren.

Zudem ist eine Pappelplatte auf den Quadratmeter gesehen eine relativ leichte Fläche. In meinem Fall habe ich mich für eine 1 cm starke rohe Platte entschieden. Alle Sichtfronten werden in einem weiteren Arbeitsschritt mit Farbe und Lack bearbeitet. Generell ist hier aber der Phantasie keine Grenze gesetzt, ob man es letztlich roh belässt, selber farblich gestaltet oder fertige, beschichtetet Dekorplatten verbaut.

Meinen gesamten Ausbau habe ich mal von hinterher aufgezogen. Das heißt, ich habe als Erstes für die Beifahrerseite den einzelnstehenden Schrank zusammengesetzt. Als Nächstes folgte der hintere Teil auf der Fahrerseite und jetzt arbeite ich mich quasi nach vor durch.

Der Möbelbau im Campervan - Das Bettgestell
Rahmenkonstruktion für das Bettgestell
Der Möbelbau im Campervan - Seitenschrank auf der Fahrerseite
Das vorgefertigte rohe Seitenteil
Der Möbelbau im Campervan - Türen und Klappen
Eine Klappe für das Seitenteil

Die Überlegung dahinter war, mit dem Bettgrundgestell eine gerade Bezugsquelle zu haben, da die Seitenverkleidungen teils schräg und nicht im Winkel stehen. Von meiner eckigen Bettform konnte ich nun an die Flächen und Rundungen der Seitenverkleidungen ran arbeiten. 

Die Möbelteile werde an Ort und Stelle angepasst, zugeschnitten und zusammengebaut. Dies geschieht noch alles im rohen Zustand. Wenn alles Pasig ist, kommt der Schrank wieder raus und wird farblich gestaltet und mit Lack versiegelt. Parallel zum Korpus entstehen beim Möbelbau auch die jeweiligen Klappen und Türen. Hierfür nutze ich den originalen Ausschnitt aus der jeweiligen Platte. Die Klappen bekommen dann einen Rahmen, der um etwa einen Zentimeter aufträgt, damit später die Klappe nicht durch den Ausschnitt fällt.

Aus eckig mach rund

Im fertigen Zustand werden rundum alle Seiten mit Möbelteilen verbaut sein und somit auch alle Rundungen der Seitenverkleidung verschwinden. Wie schon angedeutet, allzu eckig wollte ich es den nicht haben, daher hab ich mich entschlossen, zwei markante Ecken rund zu gestalten. Zum einen am Einstiegsbereich und die innenliegende Kante des Küchenteils. Nun gibt es rundes Plattenmaterial für den Möbelbau so nicht zu kaufen. Dies muss man sich selbst herstellen und seinen Bedürfnissen anpassen.

Eine relativ einfache Methode ist die Verleimung von mehreren dünnen Modellbausperrholzplatten, die dabei über eine Form gebogen werden. Diese Platten sind in ihrem Grundaufbau anders verarbeitet als normale Sperrholzplatten. Die Stabilität in den Platten entsteht durch die über Kreuz Verleihung der Fasern. Somit ergibt sich eine Gitterstruktur, die die Platte windungssteif macht.

Beim Modellbausperrholz wird genau hierauf verzichtet. Die Fasern werden bewusst nur in eine Richtung verleiht, was die Platte längs der Faser extrem biegsam macht. Wie kann ich mir nun ein solches Bauteil fertigen?

Eine passende Form finden

Als Erstes bedarf es einer passenden Form, die den gewünschten Radius mit sich bringt. Zudem muss die Form eine glatte Oberfläche besitzen, auf der die Platten aufliegen werde. Eine recht simple Methode der Formgebung sind KG-Rohre oder Regenrinnen aus dem Baumarkt. Diese gibt es in verschiedenen Radien und Längen und eignen sich perfekt für dieses Vorhaben.

Der Möbelbau im Campervan - Eine DIY Biegeform um runde Bauelemente herzustellen
Die verstärkte Regenrinne als Biegeform
Der Möbelbau im Campervan - gebogenes Sperrholz in der Form
Das komplett gezwingte Formteil

In meinem Fall hatte ich noch ein Reststück einer 120er-Regenrinne zu liegen, was ich mir als Form vorbereitet habe. Da man im Regelfall nur das Viertel eines Kreises benötigt, ist eine Form mit einem halben Durchmesser vollkommen ausreichend. Im Falle der Regenrinne war es noch erforderlich, dies zu verstärken. Einerseits um die Form zu halten und zum anderen um mir Haltepunkte für das Zwingen zu schaffen, die die Holzplatten bei der Aushärtung in Form halten.

Plattenzuschnitt

Wenn die Form steht, geht es an den Plattenzuschnitt. Das fertige Bauteil sollte in der Höhe wie auch im Radius etwas größer angelegt sein als benötigt. Dann schneidet man sich aus einer 3 mm Modellbauplatte die benötigte Menge an Platten zurecht. Da ich meine Möbel aus 1 cm starken Platten fertige, benötigte ich also jeweils drei Formplatten für meine Rundungen. Prinzipiell müssen die einzelnen Teile nicht im Winkel oder korrekt geschnitten werden, aber es ist von Vorteil, wenn man wenigstens eine gerade Bezugskante hat.

Nächster Schritt, die Platten vor dem Verleimen gut wässern, damit sie geschmeidig werden und sich leichter der Form anpassen. Sind sie zu trocken, kann es passieren, dass die Platten splittern oder brechen. Je kleiner der zu biegende Radius wird, umso geschmeidiger sollten auch die Platten sein.

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In Form bringen

Bevor es an das Biegen und Formen geht, sollte man sich alle benötigten Materialien bereitstellen. Der Holzleim hat nur eine begrenzte offen Zeit, da sollte dann jeder Handgriff sitzen. Nun geht es an das eigentliche zusammenleimen. Die Platten werden dabei vollflächig mit Leim eingestrichen. (Step 2) Die nächste Platte darauf positionieren und wieder mit Leim einstreichen usw. bis alle Ebenen verbunden sind.

Als Nächstes habe ich die fertige Platte mit kleinen Schrauben am Rand auf meiner Form fixiert (Step 3), um ein Verrutschen der einzelnen Ebenen zu verhindern. Dann wurde die gesamte Kante mit Zwingen befestigt (Step 4). Jetzt ging es an das eigentliche biegen. Ein paar Hände mehr können bei diesem Arbeitsschritt sehr hilfreich sein!

Eine stabile Latte über die gesamte Länge wird jetzt mit Gefühl um die Form gebogen und mit Zwingen fixiert (Step 5). Dabei verschieben sich die einzelne Ebene je nach Radius. Und genau das ist der Grund, warum Du anfangs den Zuschnitt größer wählen solltest! 

Über die Zwingen kann man dann auch eine gewisse letzte Feineinstellung vornehmen (Step 6). Das Bauteil sollte etwas über 90 Grad gebogen werden. Und das war es im Grunde, jetzt nur noch in Ruhe den Leim aushärten lassen.

Nach 24 Stunden hast Du ein perfektes, rundes Bauteil. An den beiden Längsseiten können nun die überschüssigen Ränder bearbeite und zugeschnitten werden. Fertig! Ich gebe zu, es ist ein wenig Gefummel dabei, aber im Grunde kein großes Hexenwerk.

Der Möbelbau im Campervan - ein kleine Anleitung wie man Sperrholz biegen kann
Alle Arbeitsschritte für runde Teile im Möbelbau übersichtlich zusammengefasst
Der Möbelbau im Campervan - Ein fertig gebogenes Bauteil aus Sperrholz
Das fertige Bauteil nach dem Aushärten
Der Möbelbau im Campervan - Der Küchenblock im Rohzustand
Die integrierte und verspachtelte Rundung im Küchenblock

Die neue Form verbauen

Jetzt kann das Bauteil in das Möbelstück integriert werden. Eine recht einfache Methode zur Befestigung, Du schneidest Dir passen Sperrholzstreifen und verleimst sie jeweils längsseits der Kanten und schaffst Dir damit eine Auflage für die zu verbindenden Teile. An der Vorderseite wird zwangsläufig immer eine Naht zu sehen sein, an der die beiden Teile zusammengefügt wurden.

Optisch kann man hier eine schmale Deckleiste aufsetzen, um diese zu retuschieren. In meinem Fall wollte ich eine Optik als wäre die gesamte Ecke „aus einem Guss“. Daher hab ich die Ansätze verspachtelt und sauber geschliffen, bis kein Übergang mehr zu erkennen war. Aber das ist im Grunde eine reine Geschmackssache und jedem selbst überlassen.

Hinweis: Dieser Beitrag enthält Werbelinks, gezeichnet mit einem (*).

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2 Comments

  1. Braun
    10. August 2020 @ 21:32

    Hi Arne, Überraschung ist gelungen.
    Wann stellst du dein für hiekel in Seeburg vor?
    Wie hast du die Betten getestet alleine oder?
    Viel Spaß weiterhin Gruß Jörc

    Reply

    • Art
      15. August 2020 @ 8:51

      Die richtigen Polster sind noch nicht drinnen, von da her nur ein Selbsttest!

      Reply

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