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#9 Bulliausbau – Möbelbau Part 2

Weniger als 1 MinuteLesestoff für Minuten

#9 Bulliausbau – Möbelbau Part 2

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Nach und nach nimmt das Konzept Möbelbau Gestalt an. Derzeit stehen die kompletten Unterschränke und die Arbeitsplatten sind verbaut. In diesem zweiten Teil möchte ich ein wenig auf das „upcycling“ näher eingehen.

Ich hatte ja bereits in früheren Posts angemerkt, dass ich viel aus alten Ressourcen bauen möchte. Wie man das Eine oder Andere Bewerkstelligen kann, darum soll es in diesem Artikel gehen.

Inhaltsverzeichnis

Alte Europaletten im neuen Glanz

Einen großen Posten an Holz vereinnahmen immer die Arbeitsplatten. Schaut man sich auf diversen Netzwerken um, findet man speziell zu diesem Thema eine ganze Menge Anregungen. Die reichen von der klassischen Tischlerplatte über ganze Baumscheiben bis hin zu den ausgeflipptesten Materialien. Hier ist der Kreativität im Möbelbau keine Grenze gesetzt.

Alte Europalette zerlegt…

In meinem Fall hab ich mich entschieden, meine Arbeitsplatten und Oberflächen aus alten Europaletten zusammenzusetzen. Warum? Schlicht und einfach, weil ich noch welche rumstehen hatte und sie weg sollten.

Zum anderen liebe ich altes Holz, vor allem wenn es bereits eine schöne Patina hat. Und nach einigen Jahren unter freiem Himmel waren meine Paletten mehr als bereit eine neue Aufgabe zu übernehmen!

Die Materialrückgewinnung

Erster Schritt bei einem derartigen Möbelbau ist erst einmal das Zerlegen der alten Paletten. Klingt einfach, ist es aber ganz und gar nicht. Je älter die Paletten und das Holz sind um so schwieriger wird dies Aufgabe.

Im Regelfall sind die Paletten „nur“ genagelt, aber die Nägel nehme ihren Job sehr ernst! Die hohe Kunst dabei, die Bretter intakt voneinander zu trennen. Rohe Gewalt hilft da nicht weiter, sondern viel Geduld und gezielte Hebelkraft.

Haben die Bretter Risse, werden sie unbrauchbar

Sollten die Füße aus Pressspann seien, geht es ein wenig einfacher, sind sie allerdings aus Vollholz, wird es zu einer kleinen Herausforderung. Ziel dieser ganzen Arbeit ist natürlich ein Stapel, möglichst unbeschädigter Bretter zu bergen, aus dem im zweiten Schritt dann das große puzzeln beginnen kann.

Nichts geht über eine Schablone im Möbelbau

Um überhaupt erste einmal eine Vorstellung zu bekommen, wie viele Bretter ich wo positionieren muss, bedarf es einer genauen Schablone meiner Arbeitsplatte bzw. Oberfläche. Um eine Schablone herzustellen, gibt es die verschiedensten Wege und mittlerweile auch recht nützliche Tools.

Eine effiziente und sehr genaue Methode ist, sich die oberen Umrisse des Möbelstückes mittels dünner Leisten abzunehmen. Dazu benötigt man letztlich nur 3 bis 4 cm breite Streifen aus alten Plattenresten (Sperrholz oder Hartfaserplatten) und recht kurze Schrauben. 

Die fertige Schablone auf meinem Möbelstück

Liegt das Material bereit, folgt man einfach den Konturen der Möbelwände. Beginnen würde ich immer an einem langen, geraden Stück. Dabei wird der Schablonenstreifen zusätzlich auf der Seitenwand fixiert. Dann geht es einmal rundum! Dabei jede Ecke, die ich zusammenschraube, mit zwei Schrauben sichern, damit sich später nichts verschieben oder verdrehen kann.

Ist der äußere Kreis geschlossen, sprich ich bin einmal herum, empfiehlt es sich auch Zwischenleisen einzubringen, um die Abstände von vorne nach hinten zu fixieren. Je dünner das Arbeitsmaterial ist, um so „lappriger“ ist später auch die Schablone.

Je nachdem wie lang Deine Schrauben sind, kann es Sinn machen, diese mit einer Flex abzuschneiden, um später unnötige Kratzer auf der Arbeitsfläche zu vermeiden. 

Wenn es sich bei der abzunehmenden Form um ein rein eckiges Konstrukt handelt, wäre die Schablone jetzt fertig. Habe ich aber runde Teile, bedarf es noch eines weiteren Schrittes. Auch bei runden Formen, wie zum Beispiel Holmen, würde ich die Ecke erst einmal schlicht um die Form legen, um der gesamten Schablone Halt zu geben.

Darüber kann man jetzt eine etwas größere Platte mit den genauen Rundungen setzen. Entweder wieder aus Holz oder die einfachere Variante, aus Pappe.

Das große Puzzle

Jetzt habe ich eine perfekte Form meiner Möbeloberfläche und ich kann beginnen, aus meinen einzelnen Palettenbrettern eine Platte zusammensetzen. Da ich aus einer Palette zwei verschiedene Breiten erhalte, macht es Sinn, in der Längsrichtung auch Breit an Breit und schmal an Schmal zu puzzeln, um es nicht noch komplizierter zu machen.

Die erste grobe Auswahl der Bretter

Diese erste, grobe Form sollte natürlich deutlich größer ausfallen als die Schablone, denn die Schablone berücksichtigt noch nicht den Überstand meiner späteren Arbeitsplatte.

Wenn die grobe Auswahl getroffen ist, macht es Sinn, die einzelnen Bretter zu markieren bzw. durchzunummerieren und mir diese Bezeichnung auf einem Zettel zu notieren.

Auf einen Punkt solltest Du besonders achten bei der Auswahl der Bretter. In jeder Lage, in Längsrichtung gesehen, sollte einmal die Kernseite und abwechselnd die Splintseite nach oben zeigen.

Bretter richtig aneinander leimen

Dir ist bestimmt schon mal aufgefallen, dass sich Bretter mit der Zeit werfen und verziehen? Das hat einen einfachen Hintergrund. Der Kern eines Stammes schwindet über die Zeit weniger als der Splint, ergo biegt sich das Brett nach einiger Zeit und wird rund.

Wenn ich jetzt mehrere Bretter aneinander leime zu einer Platte, bei der alle Kernseiten oben liegen, würde sich die gesamte Platte nach unten zusammenziehen und rund werden. Um dies zu vermeiden, die Bretter entsprechend drehen, um dieser Kraft entgegenzuwirken.

Bei einigen wenigen Brettern reicht diese Methode. Will man aber ein sehr homogenes Oberflächenbild, sollte man noch einen Schritt weiter gehen. Dann lautet die Reihenfolge: schmale Seite Kern an Kern und Splint an Splint und das jeweils noch wieder im Wechsel.

Kante und Stirn bearbeiten

Jetzt geht es an die Feinarbeiten. Das gesamte Puzzle soll später an der Längsseite sowie an div. Stirnseiten gedübelt und verleimt werden. Alle diese Flächen sollten daher gesäumt und im rechten Winkel sein, damit die Leimstellen optimal halten.

Dazu nimmst Du dir jedes einzeln Brett vor und bearbeitest jede Kante, die später verleimt werden soll. Die Längsseiten mit einem Hobel begradigen und dann, idealerweise mit einer Kappsäge, die Stirnseite im rechten Winkel beschneiden. Wenn Du keine Kappsäge hast, muss der gute alte Anschlagwinkel ran!

Um der Leimstellen zusätzliche Stabilität zu verleihen, bekommen die zu verleimenden Kanten jetzt noch eine Flachdübelverbindung. Dazu lege alle Bretter sauber aneinander und markiere die späteren Frässtellen. Dann geht es bei, alle Markierungen zu fräsen und von den Spänen zu säubern. Als Nächstes kann nun das gesamte Puzzel zusammengesetzt und verleimt werden.

Aus Vielen wird Eins!

Wie Du hier vorgehst, ist ein wenig abhängig, wie viele und welche Zwingengrößen Du hast. Je nach Größe der Arbeitsplatte kann es durchaus Sinn machen erst einmal Teilstücke zusammenzusetzen und aus diesen dann die gesamte Platte. Das sollte von Fall zu Fall entschieden werden.

Die einzelnen Elemente verleimt und mit Zwingen fixiert

Wenn Du nun gar kein Zwingen zur Hand hast, dann muss eine ältere Technik her um den nötigen Anpressdruck zu Gewehrleisten. Dazu brauchst Du eine gerade Fläche, ein paar alte Leisten und eine Menge an Holzkeilen. Das Prinzip ist recht simpel und Du solltest vor dem zusammenleimen alles vorbereiten und bereitlegen.

Lege Dir einmal trocken deine Arbeitsplatte auf die gerade Unterlage aus. Dann montierst Du dir rund um deine Arbeitsplatte die alten Leisten in einem Abstand von ca. 6-7 cm.  Wenn dann der Leim aufgetragen ist und die Bretter zusammengesetzt sind, wird einfach zwischen den Haltepunkten verkeilt und alles von oben beschwert, damit sie nicht hochdrückt können.

Wie auch immer Du es angehst, lege Dir alles bereit was Du benötigst. Wenn erst einmal der Leim am Brett ist bleibt nicht allzu viel Zeit um noch Dies oder Jenes zu besorgen. Dann sollte alles recht schnell gehen, denn jeder Leim hat nur eine begrenzt offen Zeit bevor er anzieht. Auch das „wie lange“ deine Arbeitsplatte jetzt liegen muss ist abhängig vom verwendeten Leim.

Wie David aus dem Stein

Frühestens am nächsten Tag kann es nun an den nächsten Schritt gehen. Als Erstes würde ich die Oberfläche einmal grob schleifen um sie von den Leimresten zu befreien und um eine saubere Fläche zu haben, um die Schablone akurat übertragen zu können. Dann zeichnest Du dir die Schablonenform auf deine zukünftige Arbeitsplatte.

An den Vorder- und Seitenkanten gibst Du deinen Überstand hinzu und je nach Geschmack zeichnest Du dir runde Ecken ein. Auch alle Ausschnitte für Herd und Waschbecken können jetzt bereits angezeichnet werden. Dann geht es an das Aussägen. Lange gerade Kanten würde ich immer mit einer Kreissäge schneiden, Details und Rundungen mit der Stichsäge.

Kontrolle der Passform
Die fertig beschnittene Arbeitsplatte

Zeit für die erste Kontrolle im Fahrzeug. Wenn Du sauber gearbeitet hast, sollten jetzt nur noch kleinere Anpassungen nötig sein. Ansonsten gilt es jetzt noch die erforderlichen Änderungen zu machen. Wenn die Passform stimmt, kann es an das Finish gehen.

Kreatives Finish

Und hier beginnt wieder ein sehr kreativer Teil, der von Geschmack zu Geschmack verschieden ist. Das fängt bereits bei den Außenkanten an. Lasse ich sie eckig, mache ich sie rund oder doch ein ausgefallenes Profil ran?

Das entscheidet letztlich der Eigengeschmack! Auf jeden Fall sollte dann die Platte gründlich geschliffen werden, zuerst recht grob (60er – 80er Körnung) und dann noch mal fein (180er – 320er Körnung).

Die Arbeitsplatte nach dem Finish fest verbaut

Auch beim Finish gibt es wieder unzählige Möglichkeiten. Einfach nur das Holz einölen oder Natur belassen und Lacken, mit einer bunten Farbe streichen oder Beizen.

Wie auch immer, ich habe mich für das Beizen entschieden und greife so die Farbe meiner Holzdecke wieder auf. Zudem ergeben die dunklen Arbeitsplatten einen sehr schönen Kontrast zu den weißen Möbelwänden. 

Unterm Strich…

…fanden zwei ungenutzt Paletten eine ganz neue Bestimmung. Ich hab jetzt zwei wunderschöne vintage Arbeitsflächen mit einer herrlichen Patina, die mir kein frisch gehobeltes Brett aus dem Baumarkt bieten kann. Zudem sind die Platten so einzigartig was sie dann auch zu etwas Besonderem macht. 

Wie hast Du deine Arbeitsplatten gestaltet, lass dazu gerne mal eine Kommentar da?! In diesem Sinne… 

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